Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Integration im Tourismus: Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien absolvieren Lehren in heimischen Betrieben

01.04.14 / 11:46

Asylwerber haben ihre Ausbildung abgeschlossen. Vertreter der Caritas und der Wirtschaftskammer machen mit den Asylwerbern ein Foto. Die Stimmung ist gelassen und alle lachen fröhlich.

Die Sparte Tourismus in der WKV hat gemeinsam mit der Caritas Vorarlberg ein vielversprechendes Integrations- und Ausbildungsprojekt ins Leben gerufen.

Heimische Gastronomie- und Hotelleriebetriebe bieten jungen Flüchtlingen, deren Asylverfahren läuft, Lehrplätze und somit eine qualifizierte Ausbildung.

Bei einem Lokalaugenschein in der Landesberufsschule Lochau, wo derzeit zwei Lehrlinge ihre Blockschulzeit absolvieren, informierten Harald Furtner, GF der Sparte Tourismus in der WKV, Elmar Herburger, Bildungssprecher Tourismus in der WKV, und Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin Arbeit und Qualifizierung bei der Caritas Vorarlberg, über das Projekt, das sich derzeit in der Pilotphase befindet.

"Die Caritas ist auf uns zugekommen, ausgezeichnete Lehrbetriebe zu suchen, wo die Flüchtlinge ihre Lehre machen können", sagte Spartengeschäftsführer Harald Furtner. "Wir haben die besten Betriebe ausgewählt, die jederzeit andere Lehrlinge hätten bekommen können."

Die Caritas hat jene Bewerber unter den Flüchtlingen herausgefiltert, die am prädestiniertesten für eine Lehre in der Gastronomie bzw. Hotellerie schienen. Dabei wurde auch Wert auf möglichst gute Sprachkenntnisse gelegt bzw. hat man diese durch Deutschkurse gefördert.

Acht Lehrlinge (5 Köche, 1 Kellner, zweimal Gastronomiefachmann - Koch/Kellner) haben ihre Lehre bereits begonnen bzw. werden sie demnächst fix beginnen. Zwei der Lehrlinge wurden am 10. März in die Landesberufsschule Lochau einberufen. Die jungen Flüchtlinge in Ausbildung stammen aus Afghanistan (5), Burkina Faso (1), Pakistan (1) und aus dem Iran (1).


Positive Rückmeldungen
"Die Betriebe haben bisher sehr gute Erfahrungen gemacht, die jungen Leute zeigen einen starken Willen und wollen ganz offensichtlich ihre Chancen nützen", zog Bildungssprecher Elmar Herburger eine erste Bilanz. Hin und wieder tauchen Probleme wegen des Unterschieds der Kulturen bzw. wegen mangelnder Deutschkenntnisse auf. Hier greift jedoch die Begleitung durch Betreuer der Caritas. Falls das Deutsch der Lehrlinge nicht ausreicht, erhalten sie einen Intensivkurs.

"Das Projekt stellt eine Win-Win-Situation für die jungen Flüchtlinge und die Betriebe dar", betonten GF Harald Furtner und Fachbereichsleiterin Karoline Mätzler. Einerseits erhalten die Unternehmen motivierte Lehrlinge, andererseits bekommen die Jugendlichen eine fundierte und qualifizierte Ausbildung.

Ende 2014 wird das Pilotprojekt evaluiert. Bei einem positiven Ergebnis könnte es dauerhaft etabliert werden. Die Ausbildung von Flüchtlingen im Rahmen eines Lehrverhältnisses ist übrigens gesetzlich ausschließlich im Tourismus möglich.
 

Folgende Betriebe bilden aktuell junge Flüchtlinge in Lehrberufen aus:

  • Hotel Zimba, Schruns, 1 Kellnerlehrling (männlich)
  • Wirtschaft zum Schützenhaus, Feldkirch, 1 Kochlehrling (männlich)
  • Hotel Sonne, Bezau, 1 Kochlehrling (weiblich)
  • Hotel Lagant, Brand, 1 Kochlehrling (männlich)
  • Dogana, Feldkirch, 1 Kochlehrling (männlich)
  • Hotel Zimba, Schruns, 1 Kochlehrling (männlich)
  • Gasthof zum Krönele, Lustenau, 1 Gastronomiefachmann
  • Familienhotel Lagant, Brand, 1 Gastronomiefachmann
Ein Asylwerber steht in einer Küche und kocht spezialitäten. Ganz in weiß gekleidet schneidet er Zwiebeln.