Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

Alternative zum Fachkräftemangel: Qualifizierung von "Älteren"

28.04.14 / 11:53

Eine weitere Schulung: Die Kursleiterin erklärt anschaulich anhand eines Flipcharts die Thematik während die Teilnehmer gespannt zuhören.

Am Tag der Arbeitslosigkeit am 30. April 2014 macht die Caritas auf das Potenzial der über 45-Jährigen aufmerksam.

Der Tag der Arbeitslosigkeit ruft das Schicksal jener Menschen ins Bewusstsein, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Das waren 2013 in Vorarlberg 32.751 Menschen. Besonders schwer haben es ältere Menschen. Wobei am Arbeitsmarkt schon Mittvierziger als "alt" gelten.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel sieht die Caritas Vorarlberg eine Lösung: Die Qualifizierung "älterer" niedrigqualifizierter Personen. Hier gibt es verschiedene Förderungen für Betriebe.

Mit 45 stehen viele in der "Blüte ihres Lebens" - die Pension noch weit weg. Doch am Arbeitsmarkt gelten Mittvierziger bereits als "alt". Bevorzugt werden Jugendliche, Studienabgänger oder Fachkräfte Ü25. Aber die Betriebe haben ein Problem: Es gibt immer weniger Junge. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der "Älteren".

Statistik Austria prognostiziert: 2020, also in sechs Jahren, gibt es in Österreich um fast 30 Prozent mehr Menschen zwischen 55 und 64 als heute.

Als Lösung des Problems sieht die Caritas Vorarlberg die Qualifizierung von über 45-Jährigen: "Viel Potenzial liegt bei den 45- bis 60-Jährigen, insbesondere der zirka 21.000 Niedrigqualifizierten in Vorarlberg - also Anlernkräfte bzw. Hilfsarbeiter/innen", weiß Karoline Mätzler, Leiterin des Fachbereiches Arbeit & Qualifizierung der Caritas Vorarlberg. Die niedrigqualifizierten Personen weisen zwar keine formale Berufsausbildung auf beziehungsweise haben maximal einen Pflichtschulabschluss, sie besitzen jedoch in vielen Fällen wertvolle berufspraktische Fähigkeiten. Diese Qualifikationen können bis an das Facharbeiterniveau heranreichen

Das belegt eine Studie der Arbeiterkammer Vorarlberg aus dem Jahr 2013. "Diese Studie unterstreicht, was die Erfahrung der carla-Unternehmen der Caritas auch in der Praxis zeigt: Sobald eine Person diese ‚nicht zertifizierten’ Qualifikationen glaubhaft nachweisen kann, sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz höher. Niedrigqualifizierte sind verlässlich, an einer langfristigen Anstellung interessiert und lernbereit", verdeutlicht Karoline Mätzler die Alternative zum Fachkräftemangel.

Qualifizieren mit Förderungsmodellen

  • Laut Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg waren 2013 insgesamt 32.751 Menschen arbeitslos.
  • Die Arbeitslosenquote 2013 in der Altersgruppe ab 45 Jahre lag durchschnittlich bei knapp 6 Prozent.
  • Markant ist die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Älteren: Alleine zwischen 2012 und 2013 hat in Vorarlberg die Zahl der Arbeitslosen mit 50 und mehr Jahren um 13,5 Prozent zugenommen.
  • Knapp 50.000 Personen zwischen 25 und 64 Jahren verfügen lediglich über einen Pflichtschulabschluss. Knapp die Hälfte dieser Gruppe, nämlich 21.000 Personen, ist über 45 Jahre alt
  • Jede/r Zweite, der/die 2013 in Vorarlberg arbeitslos war, verfügt über keine formale Berufsausbildung.

"Wer sich höher qualifiziert, hat bessere Chancen am Arbeitsmarkt. Daher gibt die Caritas Vorarlberg diesen am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen die Chance, nachträglich eine Lehre zu machen bzw. berufsspezifische Jahre in den carla-Unternehmen zu erlangen. Für die Einstellung und die Weiterbildung von ArbeitnehmerInnen ab 45 Jahren bietet das AMS verschiedene maßgeschneiderte Unterstützungsangebote wie beispielsweise "Chance" oder Eingliederungsbeihilfen", informiert Karoline Mätzler.

Weichen für den Arbeitsmarkt von morgen stellen
Das AMS Vorarlberg bietet allen Unternehmen verschiedene Fördermodelle, um "ältere" ArbeitnehmerInnen höher zu qualifizieren. "Es muss bei den Unternehmen ein Umdenken stattfinden - die Betriebe rufen das Potenzial der 45- bis 60-Jährigen noch zu wenig ab. Auch die Politik und die Sozialpartner sind gefordert, die Weichen für den Arbeitsmarkt von morgen zu stellen. Es braucht altersunabhängige Angebote für MitarbeiterInnen.
Wichtig ist, dass alle Beteiligten weiterhin gemeinsam Nachqualifizierungs-Angebote für potenzielle Fachkräfte schaffen. Lebenslanges Lernen ist ein Gebot der Stunde.
Aber auch die ArbeitnehmerInnen und arbeitssuchende Menschen sind gefordert - die Bereitschaft sich ständig weiterzubilden ist der beste Schutz vor Altersarmut. Dazu stehen für die Übergangsphasen eine Reihe praktischer Begleitmaßnahmen zur Verfügung, von Seiten des AMS oder auch der carla Personalentwicklung. Sich genau über die Möglichkeiten zu informieren lohnt sich. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können davon nur profitieren", empfiehlt Karoline Mätzler abschließend.

 

Zahlen, Daten, Fakten zum Tag der Arbeitlosigkeit am 30. April 2014