Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

EU in meiner Region: Arbeitsintegration für geflüchtete Menschen

21.05.19 / 09:31

„EUropa im Ländle“ hieß es diese Woche erstmals auch in Vorarlberg, dabei luden EU-kofinanzierte Projekte zu Tagen der offenen Tür ein. Mit dabei auch „start2work“, ein Angebot der Caritas, das bleibeberechtigte Flüchtlinge beim Einstieg in die Arbeitswelt, beziehungsweise in eine weiterführende berufliche Qualifizierung unterstützt.

„Wir wollten zu diesem Anlass Menschen, die für den Erfolg des Programms eine Schlüsselrolle spielen, zu einem Dialog einladen“, begrüßte Caritasdirektor Walter Schmolly in den Räumlichkeiten von start2work in Dornbirn Verantwortliche aus verschiedenen Vorarlberger Unternehmen, VertreterInnen von Bund, Land und AMS sowie ExpertInnen aus den Bereichen Integration und Arbeitsmarkt. Walter Schmolly berichtete eingangs über den Erfolg des Projekts: Von den 666 Frauen und Männer, die in den ersten drei Jahren am Programm teilgenommen haben, schafften knapp zwei Drittel den Schritt in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt, beziehungsweise absolvierten in Folge das freiwillige Integrationsjahr.

„Im Gegensatz zu früheren Fluchtbewegungen waren wir 2015 und in den Jahren danach deutlich besser vorbereitet“, resümierte Eva Grabherr, Geschäftsführerin okay.zusammen leben, in ihrem Impulsreferat. Als Beispiele nannte sie etwa Lernmaterialien für Deutsch-Unterricht – „die gab es früher schlicht nicht“ – oder das Modell der FlüchtlingskoordinatorInnen. „Sie sind wertvolle Drehscheibenakteure in der regionalen und kommunalen Struktur und haben entscheidend zu einer koordinierten Struktur beigetragen.“ Des Weiteren nannte Eva Grabherr das enorme Freiwilligenengagement, das Integration im Alltag wesentlich erleichtere. Als wichtig erachtet sie auch schließlich auch die viel deutlichere Kommunikation an Menschen, die zu uns kommen, wie die Gesellschaft in Vorarlberg funktioniert – Stichwort „Wertekurse“.

Beschäftigungswachstum braucht Zuwanderung
Christoph Selner von der Koordinationsstelle für Integrationsangelegenheiten des Landes Vorarlberg gab in seinem Kurzreferat einen kurzen Überblick über Unterstützungsangebote für Unternehmen. Als Flüchtlingskoordinator des Landes Vorarlberg blickte Anton Strini in die Geschichte von Vorarlberg als Zuwanderer-Land und machte bewusst: „Wir hätten ohne Migrantinnen und Migranten dieses Beschäftigungswachstum gar nicht erreichen können, das uns den Wohlstand sichert.“ Es gebe zahlreiche Beispiele von Unternehmen, die ohne Zuwanderer die offenen Stellen gar nicht hätten besetzen können. „Uns gehen langsam die Flüchtlinge aus“, merkte er schmunzelnd an. Auch mit Kritik an der Regierung sparte er nicht. Maßnahmen, wie etwa die Einführung eines 1,5-Euro-Stundenlohns für gemeinnützige Arbeiten oder das Verweigern einer Lehrausbildung für geflüchtete Menschen sei kontraproduktiv.

Diese Erfahrung bestätigte sich auch in der anschließenden Diskussionsrunde: „Wir beschäftigen in unserem Unternehmen seit drei Jahren einen ehemaligen Flüchtling. Er ist einer meiner besten Elektriker nur leider ohne Ausbildung, das lässt unser Bildungssystem momentan nicht zu. Für ihn bedeutet das, dass er als Hilfsarbeiter angestellt ist, obwohl er in der Praxis top-qualifiziert ist.“ Als größte Herausforderungen erachteten die UnternehmerInnen die sprachlichen Barrieren sowie die oftmals unklare Gesetzeslage. Das einhellige Fazit: Die Veranstaltung bot eine sehr gute Gelegenheit, sich auszutauschen und aus der Erfahrung anderer Unternehmen auch selbst zu profitieren.

Umfrage: Ihr Resümee zum Nachmittag?
Der Austausch zwischen Experten und Unternehmern ist gerade bei diesem Thema sehr wertvoll und immens wichtig. Ich schätze die Vorarlberger Kultur des gemeinsamen Arbeitens an einem Thema und die Suche nach einem Konsens als Resultat.
Christoph Selner, Koordinationsstelle für Integrationsangelegenheiten, Land Vorarlberg.

Der Nachmittag war sehr gut für mich. Man kann voneinander viel lernen. Nicht immer ist das eigene Modell das Beste. Ich kann die Aussage Anton Strinis nur bestätigen: Wir brauchen diese Menschen als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb und hoffen, dass sie sich in der Arbeit gut entwickeln.
Philipp Gantner, Firma Ratt-Pack

Sowohl der Wirtschaftsstandort Vorarlberg, als auch die Gesellschaft profitiert von einer gelungenen Integration. Sprache ist aus meiner Sicht dabei ein Schlüssel zur Integration. Der Dialog in der Praxis als Möglichkeit zur Begegnung und zum Erfahrungsaustausch empfinde ich als wertvoll.
Sandra Karaviotis, Ölz Meisterbäcker

Das Netzwerken untereinander ist aus meiner Sicht unerlässlich. Von den „learned lessons“ anderer Unternehmen kann auch meine Firma mit profitieren. Selbstverständlich ist bei der Einstellung von geflüchteten Menschen auch eine soziale Komponente dabei – wir brauchen aber diese Menschen als Handwerker im Land.

Tim Mittelberger, Dorfelektriker